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Sport für Leute mit Gewichts-, Zeit- oder Motivationsproblemen

Ausrüstung – Laufschuhkauf – Die Theorie

Posted by oscartango - 17. August 2007

Der elementarste aller Ausrüstungsgegenstand für einen Läufer ist natürlich der Laufschuh. Mit jedem Schritt, den sie machen (und das werden im Laufe Ihrer Läuferkarriere hoffentlich eine ganze Menge sein) fängt der Schuh Ihr gesamtes Gewicht beim Aufprall ab, sorgt dafür, dass Sie nicht gleich umknicken und gibt Ihnen sogar beim Abstoß wieder etwas von der zuvor gesammelten Aufprallenergie zurück. Die wichtigsten Aufgaben des Schuhs sind also Dämpfung und Stabilisation. Daneben gibt es dann noch andere Qualitätskriterien, wie die Haltbarkeit und natürlich den Preis.

Das Problem bei der Suche nach dem optimalen Laufschuh ist nun: Jeder Mensch ist anders. Damit sind die Anforderungen jedes Menschen an einen Laufschuh anders. DEN besten Laufschuh kann es deshalb nicht geben. Es kann höchstens DEN besten Laufschuh für Sie persönlich geben.

Wenn Ihnen also Ihr Arbeitskollege (alternativ: Ihr Schwager, Ihr Nachbar; Ihr Metzger, …) erzählt, dass Sie sich unbedingt den neuesten Hashimoto ZipZap 2000 mit GeloPren und Kreuzbeindämpfung[1] kaufen müssen, weil man den gerade im Internet bei einem US Versand für nur 279$ (plus Versand) statt für 300 Euro beim örtlichen Laufladen bekommt, lächeln Sie Ihn an, sagen „jaja“ (Läufer sind sehr empfindlich, wenn man Ihre Tipps zurückweist) und suchen Sie sich IHREN Schuh in Ruhe aus.

Ein Schuh besteht im Wesentlichen aus den folgenden 4 Elementen, die wir in den nachfolgenden Kapiteln kurz näher betrachten wollen:

  • Außensohle (auch Laufsohle genannt)
  • Zwischensohle
  • Einlage
  • Obermaterial

Außensohle / Laufsohle

Die Außensohle eines Laufschuhs ist fast immer aus Gummi. Sie ist der Teil, der direkten Kontakt zur Straße hat und muss deshalb in erster Linie für Dichtigkeit und für den richtigen Grip sorgen. Die Hersteller verwenden teilweise verschieden harte Gummimischungen für die Außensohle, die dann entsprechende Eigenschaften bezüglich Beweglichkeit der Sohle (je weicher die Mischung, desto beweglicher die Sohle des Schuhs), Dämpfung (je weicher desto besser die Dämpfung) und Langlebigkeit (je weicher, desto weniger haltbar) bewirken. Das Profil der Sohle hat außerdem unmittelbar Einfluss auf den Grip des Schuhs.

Als Anfänger sollten Sie sich überhaupt keine Sorgen um die Außensohle Ihres zukünftigen Schuhs machen. Sie können da ganz den Herstellern vertrauen. Übrigens brauchen Sie nicht unbedingt profilierte Laufsohlen, nur weil Sie ab und zu mal über einen unbefestigten Waldweg joggen. Da kommen Sie mit herkömmlichen Schuhen auch wunderbar durch.

Und ein zweiter Tipp: Man sieht in Sportgeschäften immer wieder vermeintliche Experten, die den Schuh vor dem Kauf erstmal mit der Schuhspitze auf die Zunge biegen um dann mit Kennerblick festzustellen: „Der is super! Flexibel genug!“. Wenn Sie diese Übung mit dem Fuß im Schuh schaffen, können Sie bei einer Freakshow gutes Geld verdienen.

Zwischensohle

Der wichtigste Teil des Laufschuhs ist die Zwischensohle. Sie befindet sich zwischen der Außensohle und dem Schaft und beinhaltet sämtliche Gimmicks, die sich die Hersteller zur Dämpfung und Stabilisation des Fußes so ausgedacht haben. Das Wort „Gimmick“ meine ich dabei übrigens nicht abfällig. Wer sich mal wissenschaftliche Studien anschaut, mit welcher Wucht ein Fuß bei einem Laufschritt auf den Boden prallt und was ein ungedämpfter Fuß für Deformationen dabei erleidet, der ist für die ganzen Gel- bzw. Luftkissen, Kunststoffkeile und Schaumstofflagen dankbar.

Welche Firma das beste Dämpfungskonzept hat ist dabei eher eine Glaubensfrage.

Trotzdem ist die Wahl der richtigen Zwischensohle für Sie von elementarer Bedeutung. Als Faustformel kann man nämlich sagen, dass eine Zwischensohle entweder besonders gut dämpft oder eben den Fuß besonders stabil hält. Natürlich stabilisiert ein gut gedämpfter Schuh auch den Fuß und umgekehrt, aber bei der Entwicklung des Schuhs hat es eben Prioritäten gegeben und die merkt man durchaus beim praktischen Gebrauch.

Ob man einen besonders stabilisierenden Schuh braucht, hängt dabei im Wesentlichen vom Verhalten Ihres Fußes nach dem Aufprall auf dem Boden ab. Bei den meisten Läufern knickt der Fuß nach innen weg. Dieses Verhalten nennt man Pronation. Ein leichtes Einknicken ist dabei normal. Es gibt aber auch Läufer, da bricht der Fuß regelrecht ein (Überpronation). Häufig merken die Betroffenen das noch nicht einmal. Eine Laufbandanalyse, wie sie es mittlerweile in fast allen Sportgeschäften gibt, bringt es dann aber an den Tag. Ein weiteres Indiz sind Ihre anderen Schuhe. Laufen sich die Sohlen auf der Innenseite schneller ab, als auf der Außenseite, könnte das an Ihrer übermäßigen Pronation liegen.

Das andere Extrem sind die Supinierer. Knickt der Fuß beim Aufprall nach außen weg, spricht man von Unterpronation oder Supination. Auch hier bergen Ihre alten Schuhe unter Umständen wichtige Indizien zum Erkennen dieser Fehlstellung.

Sowohl Überpronierer, als auch Supinierer sollten eher stabilisierende Schuhe wählen.

Der Dämpfungsbedarf ergibt sich im wesentlichen aus dem Gewicht des Läufers und der Technik mit der er läuft. Grob kann man sagen: Je schwerer der Läufer, desto besser gedämpft sollte der Schuh sein. Und je schwerer der Läufer ist, desto großflächiger sollte die Dämpfung sein. Das heißt, dass schwerere Läufer eher von einer Vorfußdämpfung[2] profitieren, als leichtere.

Insgesamt muss aber ein erheblicher Teil der Läuferschaft mit der Krux leben, dass sie sowohl (für einen Läufer) relativ schwer sind, als auch zur Überpronation bzw. Supination neigen. Für diese gilt: Stabilität geht vor Dämpfung!

Einlage

Die herausnehmbare Einlage eines Schuhs ist zusammen mit dem Obermaterial für das Klima im Schuh verantwortlich und sorgt für den Komfort direkt am Fuß.

Die Einlage ist meistens Teil des Dämpfungssystems des Schuhs und sollte deshalb nicht einfach gegen andere ausgetauscht werden. Eine Ausnahme bilden dabei orthopädische Einlagen, die vom Arzt verschrieben werden können[3].

Die obersten Schichten der Einlage absorbieren die Feuchtigkeit und sollen so zu starkes Schwitzen verhindern

Obermaterial (+Zunge+Fersenkappe)

Das Obermaterial eines Laufschuhs muss atmungsaktiv und haltbar sein. Bei nahezu allen modernen Laufschuhen wird das Obermaterial auf die Sohle geklebt. Genähte Schuhe gibt es kaum noch. Trotzdem sind die Schuhe in der Regel sehr haltbar, wobei sich gerade hier Preisunterschiede deutlich bemerkbar machen können.


[1] Die meisten werden es gemerkt haben. Für alle anderen: Den Schuh gibt es nicht wirklich. Den hab ich mir ausgedacht.

[2] Vorfußdämpfung: Spezielle Dämpfungselemente unter dem Fußballen

[3] Bitte klären Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, ob und wie die verschriebenen Einlagen für einen Einsatz in einem Laufschuh nutzbar sind.

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