Massenbewegung

Sport für Leute mit Gewichts-, Zeit- oder Motivationsproblemen

Ruhr (Inline-)(Halb-)Marathon bewältigt

Posted by oscartango - 19. Mai 2008

Es ist vollbracht. Wie ja bereits angekündigt steht das Jahr 2008 für mich unter dem „rollenden“ Stern – soll heißen, dass ich meinen Schwerpunkt für ein Jahr auf’s Speedskaten (vulgo: Rollschuhfahren) verlege. Gestern habe ich dann endlich meinen ersten „Wettkampf“ in der neuen Disziplin gehabt/geschafft.

Zu meiner Leistung: Ich bin knapp über eine Stunde gefahren. Das ist dann doch ein wenig an meinem selbst gesteckten Ziel von <1Std. vorbei. Aber angesichts meines Zustandes auf den letzten Kilometern eigentlich ganz in Ordnung. Aber der Reihe nach:

Die letzten Tage der Vorbereitung waren alles andere als optimal. Aus Zeitgründen konnte ich nicht mehr so viele lange Vorbereitungsläufe machen, wie ich wollte – und wie eigentlich auch nötig gewesen wären. Und dann hab ich mir auch noch so einen Infekt eingefangen, der sich schleimig auf meine Atemwege gelegt hat. Aber was soll’s dachte ich mir: Du musst ja nicht gewinnen, es ist Deine erste Inline-Veranstaltung, nur Ankommen ist wichtig, blablabla. Wie man sich selbst belügen kann! Ich bin (auch wenn ich nicht so aussehe) Sportler!

Schon vor dem Lauf hab ich mir schonmal möglich „Opfer“ ausgesucht, die ich auf jeden Fall schlagen wollte. Z.B. diese Weicheier, die diese Veranstaltung Hand-in-Hand mit ihrer Freundin laufen wollen. Hey, das ist hier ein Wettkampf! Außerdem alle, deren BMI (nach meiner an dem Morgen sehr subjektiven Einschätzung) noch höher war, als meiner. Dann noch die Angeber mit Vereinstrikots, die aber trotzdem nicht im ersten „Elite“-Startblock starten. Blender! Und natürlich alle, die nicht die notwendige professionelle Ausrüstung vorweisen konnten. Dann noch alle, die älter waren als ich und die unerfahrenen Teenies. Kurz gesagt: So 10 Minuten vor dem Start war nicht mehr Ankommen mein Ziel, sondern Platz 1 bis 10 (natürlich hinter den selbst mit adrenalingeschwängertem Blick unschlagbaren „Elite“-Fahrern).

Direkt vor dem Start hab ich mich dann natürlich noch schnell regelwidrig in einen vorderen Startblock gemogelt, damit mich diese Amateure nicht gleich auf den ersten Metern aufhalten.

Startschuss. Ich komme eigentlich ganz gut los. Lasse direkt auf den ersten Kilometern einen Großteil des Feldes hinter mir. Beim ersten längeren Gefälle gehen etliche schon in die Schonhaltung um Kräfte zu sparen. Ich nutze diese Schwäche und überhole direkt nochmal ein gutes Dutzend Opfer. Jaaa! Ich bin der König auf 10 Rollen!

Dann die erste längere Steigung. Ich erlebe zum ersten Mal die ansonsten eher abstrakte „Hangabtriebskraft“ aus dem Physikunterricht hautnah! Es ist unfassbar wie gebirgig das Ruhrgebiet ist! Spontan fällt mir ein, dass ich mal gelesen habe, dass der deutsche Alpenverein im Ruhrgebiet mit die größten Sektionen hat. Jetzt weiss ich warum! Als ich den Gipfel erreiche, liegt mein Puls bei gefühlten 150% meines Maximalpulses. Die anschliessende Abfahrt meister ich erstmal in der ökonomischen Schonhaltung. Einige Angeber überholen mich doch glatt, indem sie hier noch mal Gas geben. Das soll wohl Stärke demonstrieren.

Irgendwann gehts dann wieder einigermaßen. Ich komme wieder ins Rollen. Durch beherzte Zwischenspurts hole ich mir direkt nochmal ein paar von meinen Mitkonkurrenten, die wahrscheinlich alle doppelt so viel trainieren konnten wie ich. Weil sie keine Kinder haben und auch keinen Job und außerdem haben die Vereinstrikots an. Das sind bestimmt Proifis. Ich wär auch so schnell, wenn ich den ganzen Tag nichts anderes zu tun hätte. Dann wieder eine Steigung. Ungefähr 12 Kilometer lang. Scharenweise ziehen sie an mir vorbei. Ich meine ein leises Surren von den elektrischen Hilfsmotoren zu hören. Mein Körper teilt mir mit, dass die Kohlehydratspeicher nun wohl leer sind. Ich hab viel zu wenig gegessen in den Tagen vor dem Lauf. Glaub ich. Jetzt hab ich den Salat. Die Kilometerangaben am Rand machen mich unruhig. Die Abstände zwischen den einzelnen Schildchen können doch gar nicht stimmen. Man kennt das ja. Da sind die Jungs von der Strassenmeisterei unterwegs ins Quatschen gekommen und stellen nur noch alle 5 km ein Schild auf. Im Ziel merken sie dann, dass sie noch 15 Schilder hinten auf dem Wagen haben, melden es aber keinem und lassen die restlichen Schilder einfach verschwinden.

Die restlichen Kilometer nutze ich geschickt den Windschatten von etwas fülligeren Mitläufern und Paaren, die – wenn sie Hand-in-Hand fahren – ein ganz besonders effektives Windschild darstellen. Windschattenfahren muss ich ja eh lernen, wenn ich demnächst in der Spitzengruppe mitfahre.

Wie gesagt. Knapp über eine Stunde hab ich gebraucht. NACH dem Lauf war ich eigentlich ganz zufrieden damit. Aber es gibt noch viel zu tun bis zum Köln Marathon, wo ich dann die volle Strecke mitfahre.

Zur Veranstaltung möchte ich auch noch was sagen (diesmal ganz ernst): Ich habe bisher den Köln-Marathon und den Hamburg-Marathon (jeweils als Läufer) mitgemacht und war ein bisschen vom Ruhrmarathon enttäuscht. Ich weiss nicht, ob es daran gelegen hat, dass ich als Skater teilgenommen habe oder dass ich nur den Halbmarathon absolviert habe, aber einige Dinge fand ich noch ausbaufähig:

  • Die Stimmung bei den Zuschauern war nur in den Innenstädten von Bottrop und Gladbeck wirklich gut. Gelsenkirchen war angesichts der Tatsache, dass es Etappenziel war, eher mau. Und an der Strecke ausserhalb der Zentren war gar nichts los. Was Stimmung anging ist für mich Köln übrigens unerreicht. Wie gesagt: Es kann natürlich auch daran liegen, dass wir Skater lange vor dem Läuferfeld durchfahren. Ich weiss es nicht.
  • Die Orga in Oberhausen war für mich überraschend „schlank“. Das ist jetzt weniger ein Kritikpunkt. Ich fand es einfach bemerkenswert, wie wenig Tamtam dort vorhanden war. Trotzdem habe ich alles bekommen, was ich wollte.
  • Die Orga in Gelsenkirchen fand ich persönlich nicht so gut. Es gab keinen überdachten Umkleidebereich, sondern man musste sich vor und nach dem Rennen im Teilnehmerbereich praktisch auf der Strasse umziehen.
    Das Organisationsbüro, an dem die Ergebnislisten ausgehangen wurden und wo man seinen Chip wieder abgeben konnte, war nicht im Teilnehmerbereich, sondern im Eventbereich auf der anderen Streckenseite. Man musste also einmal über die Strecke um dort hin zu kommen. Darüber hinaus war die Ausschilderung so schlecht, dass KEINER der Leute, die mit mir fertig wurden, wusste, wo er hin  musste. Das letzte Schild „Chip Rückgabe“ hing am Ausgang des Teilnehmerbereichs aber ohne Richtungsangabe. Vorschlag: Das Orgabüro in den Teilnehmerbereich verelegen. Platz war genug da und wenn ich das richtig gesehen habe, waren die dort angebotenen Dienstleistungen eh nur für Teilnehmer.

Trotzdem war der Marathon sehr sympathisch. Die Helfer waren immer sehr nett und hilfsbereit. Ich werde jedenfalls nächstes Jahr wiederkommen. Entweder als Skater über die volle Distanz oder als Läufer den Halbmarathon – Hand-in Hand mit meiner Frau. 😉

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